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12 April, 2007

Bomben in Algier: Europa soll nicht abseits bleiben

Algier erlebte gestern sein eigenes 11/4.

Wer ist schuld? Allgemein wird das algerische Regime angeprangert. Obwohl Korruption, Stagnation, Unfreiheit der Presse, Gegenrepression in den Neunzigern vom Heere, Isolation durch Arabisation, usw. nicht gutzuheissen sind, haben wir hier zu tun mit einem Land, das sich selbst vor 50 Jahren heroïsch befreit hat, Ansätze zu verallgemeinterten Selbstverwaltung geleistet hat, und das schwer, schwer verwundet ist.

Europa hat das nordafrikanische Problem den Franzosen überlassen, und nur lau, oder gar nicht, teilgenommen an den EU-Initiativen zur Annäherung and den maghrebinischen Staaten. Somit gibt es ein humaner Fehler, sowohl als ein Strategischer. Algier, Marokko, Tunesien sind ja so nah. Aber man handelt als ob sie auf einem anderen Planet liegen.

Der Spiegel, etwas tiefer grabend als Anderen, aber doch von den Ereignissen etwa überfallen, scheint fasziniert von der al Qaeda-Umschreibung "islamischer Westen". Daraus leitet die Webseite ab, dass es auch um Europa ginge. Die Annahme ist an sich falsch: "(ma)ghreb (gharb > "Gibraltar")" ist auf arabisch einfach "West". In Bin Laden's Geist, geht es hier um die historisch islamisierte Gebieten im Westen: Nordafrika und, vielleicht, die alte islamische Reichen in Südspanien.

Aber die Annahme, dass es auch ganz Europa angeht, ist richtig.
Richtig, weil wir uns befinden in eine geographische und kulturelle Schicksalsgemeinschaft mit Nordafrika. Richtig auch, weil Europa aus strategischer Hinsicht nicht negieren kann, was auf wenigen Hunderten von Kilometern vor sich geht.

Der Spiegel, 11. April 2007:

Gefahr des Übergreifens auf Europa

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Fotos: Google Earth; Karte: SPIEGEL ONLINE
Im Nachbarland Marokko konnten die Sicherheitsbehörden erst gestern eine Terrorzelle unschädlich machen: Vier der Verdächtigen entzogen sich der Festnahme, indem sie ihre Sprengstoffgürtel zündeten und sich das Leben nahmen.

Ein Zusammenhang zu dem heutigen Anschlag in Algier ist nicht festzustellen - aber das beide Ereignisse denselben Trend abbilden, ist unter Experten unstreitig: Der Maghreb wächst zum Terrorschlachtfeld heran - eine Vision, die lokale Terroristen, aber auch al-Qaida, stets herbeigesehnt haben. Nicht zuletzt, weil der Maghreb jene arabische Region ist, die am nächsten am Westen liegt.

Dies, so wird zunehmend befürchtet, könnte unmittelbare Auswirkungen auch auf Europa haben. Es bestehe die "unbedingte Gefahr eines Ausgreifens nach Europa", sagt Steinberg.

Neue Untersuchungen geben ihm Recht: Erst gestern stellte die europäische Polizeibehörde Europol den Terrorbericht für das Jahr 2006 vor. Demnach wurden in der EU zwischen Oktober 2005 und Dezember 2006 340 Personen wegen Vergehen festgenommen, die im Zusammenhang mit Terrorismus standen - von ihnen waren mehr als die Hälfte aus Marokko, Algerien und Tunesien.

Maghrebinische Terroristen in der EU am aktivsten

Eine niederländische Studie vom Dezember 2006, die den Zeitraum zwischen 2001 und 2006 untersuchte, kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Ein Viertel der Dschihadisten, die in Europa aktiv wurden, stammten aus Algerien, gemeinsam mit anderen Nordafrikanern machten sie gut die Hälfte der Gruppe aus.

Als Ursachen für die Revitalisierung dschihadistischen Gedankenguts in den Maghrebstaaten nennt Terrorexperte Steinberg eine Monopolisierung der Religionsauslegung durch den Staat und die repressive Politik der Regime gegenüber Islamisten. Aber auch der Irakkrieg spiele eine Rolle. Allerdings weisen Steinberg und seine Co-Autorin Isabelle Werenfels in ihrer Studie auch auf die Möglichkeit hin, dass die Annäherung der GSPC an al-Qaida aus einer Position der Schwäche heraus zustande gekommen sein könnte: Um neue Rekrutierungs- und Finanzierungswege zu öffnen, beispielsweise.

Die Zahl der GSPC-Kämpfer wird von ihnen auf rund 800 geschätzt. "Dass eine Terrororganisation geschwächt ist, bedeutet in der Regel nicht, dass sie keine Anschläge mehr zu organisieren vermag", ergänzen sie freilich.

Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE vermutete Steinberg heute jedenfalls, dass "man damit rechnen muss, dass es zu weiteren Anschlägen in der Region kommen wird".


Es gibt heute 2 Alternative:
  • Entweder wird die Aufmarsch der fanatischen Terror in Algerien und un Marokko hier verwendet als neues Argument für isolationistischen und xenophoben Schritten - ein Scenario das zu neuen immer grösseren Problemen führen wird,
  • oder, hoffen wir, gäbe es ein Erwachen der Verantwortungsbereitschaft, der Schicksalsverbundenheit - was, unter bestimmten ökonomischen Opfer führen könnte zu eine genügende Vernichtung der Frustrationsgründe die der Aufschwung des al-Qaeda in Nordafrika unterliegen.
Leider müssen wer die Erste mehr fürchten als auf die Zweite hoffen.

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