Wie würde es sein mit ..... Ajaan Hirsi Ali?Sie war in den letzten Monaten ungewöhnlich still und das ließ diese Frage stets dringender werden. Seit dem 9. Mai wissen wir wieder Bescheid, was sie so treibt.
(Co-Bloggerin
BigBerta aus Bayern übersetzte mein Artikel in "
De Lage Landen" und in "
In Europa Thuis". Hier folgt
Teil 1. dieser Übersetzung. Mit Dank, BB!)
Das seriöse deutsche Blatt "Die Welt" publizierte in seiner Online-Ausgabe einen neuen, brisanten Artikel der
gekäfigten Jungfrau mit dem Titel:
Glaubenskrieg: wie Islamisten die Herzen der Türken erobern. Am 10. Mai erschien die niederländische Übersetzung im nrc-handelsblad, unter dem etwas zahmeren Titel:
Leger behoedt Turkije voor islamisering - die Armee beschützt die Türkei vor der Islamisierung. Inhalt und Tendenz sind jedoch in beidern Versionen gleich:
DawaIslamexpertin Hirsi Ali erklärt mit kaum bezwungener Ungeduld (oder ist es Verachtung?), daß die durch die Regierung Erdogan, die seit 2004 im Amt ist, auf den Weg gebrachte
- Modernisierung,
- Demokratisierung,
- Förderung der Rechtsstaatlichkeit
- (einschließlich Kampf gegen Korruption)
- und das Streben nach Erfüllung der Aufnahmebedingungen für die Europäische Union
nichts anderes ist als
Dawa. Und das ist, so erklärt sie uns, schon wieder eine dieser perversen Mohammed-Methoden, die dessen Anhänger benutzen "müssen", um durch's Hintertürchen die Macht zu erobern.
So höret, Freunde, wie durchtrieben und kriminell die Islam-Anhänger zu Werke gehen:
(Anmerkung von Huib: Hirsi Ali nennt sie alle "Islamisten", denn, so erklärte sie im vergangenen Jahr in der christlich-fundamentalistischen "Trouw", selbst - oder gerade! - emanzipierte Muslime, stehen im kurzen Hemd da, sobald ihnen Söhne geboren werden und werden dann zu Fundamentalisten und somit zu Terroristen. Davor kann man nicht genug warnen...)
So erklärt Hirsi Ali in der "Welt" mal eben was
Dawa ist:
(Die Islam-Partei folgt der) Dawa, eine Taktik, die von Mohammed, dem Stifter der islamischen Religion, inspiriert ist. Dawa bedeutet schlicht, den Islam voller Überzeugung als Lebensform zu predigen, die Regierungsform inbegriffen. Alle Bekehrten sind verpflichtet, hinaus in die Welt zu gehen und anderen zu predigen. So entsteht eine Volksbewegung, die die Herzen und Köpfe der Wählerschaft gewinnt.
und weiter:
Die zweite Säule ist die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation. Als die säkularen Parteien an der Macht waren, lag die türkische Wirtschaft unbestreitbar in Trümmern. Seit Erdogan im Amt ist, sind Wirtschaftswachstum und Investitionsraten hoch, die Inflation ist niedrig,
Gott, wie schrecklich!
Jeder, der zum Islam bekehrt ist, strebt danach, durch seine Lebensweise ein gutes Vorbild zu sein. Wir können uns nur schwerlich etwas vorstellen, das undemokratischer und perverser ist!
HetzeWie gut, daß Hirsi Ali bei all der Anti-Terror-Arbeit im Neocon-American Enterprise-Institute in Washington noch die Zeit findet, diese terroristische Taktik der Zusammenarbeit des "guten Vorbild Gebens", des "zu seinen Überzeugungen stehen" und der ""Förderung des wirtschaftlichen Fortschritts" zu enthüllen!
Daß wir es mit richtigen Islamisten zu tun haben, sieht man schon daran, daß sie niemandem mit Gewalt Islam und Kopftuch aufzwingen, weiter aus der Tatsache, daß eine echte wirtschaftliche Entwicklung stattfindet und Mafia und Korrution zurückgehen.
Mehr Pressefreiheit, Toleranz gegenüber den Sprachen der Minderheiten, das Kassieren der ultra-nationalistischen Anklage gegen den Schriftsteller Orhan Pamuk - all dies sind Perversionen, die die "säkulare" Mutterlandspartei des türkischen Generalstabs nach dem Putsch in den 80ern niemals toleriert hätte. - Ein Beweis mehr!
Zweifeln könnten wir, wäre die Mafia schlimmer geworden, das Geld in den Moscheen versickert und die Wirtschaft den Bach runter gegangen. Das wäre von den Muslimen wohl halb so schlimm gewesen. Obwohl man natürlich nie hätte sagen können, ob sich nicht auch solche später als wahre Islamisten herausgestellt hätten.
Da kannst Du doch lieber auf der sicheren Seite bleiben und
präventiv auftreten.
"Liberale" Motive für einen MilitärputschDafür hat Ayaan Hirsi Ali ein Rezept, das sie gerne mit den "Liberalen" und "Säkularen" in der Türkei teilt, denn die haben die Dawa von Erdogan "unterschätzt". Zugegeben, das Rezept ist eine Roßkur: ein Putsch der Armee, die immerhin durch den Staatsgründer Atatürk als Hüter des "säkularen Charakters der türkischen Republik" eingesetzt wurde.
Dummerweise kriegen die Ali'schen Liberalen (wer in der Türkei ist das denn überhaupt?) es nicht hin, die "Köpfe und Herzen der Wähler" zu erreichen, vermutlich, weil sie es so eilig hatten, ihre zwielichtigen Banktransaktionen durchzuziehen,was unter der vorherigen, "säkularen" und korrupten Regierung möglich war. Da geht auch Hirsi Ali nicht davon aus, daß diese finstere Gruppe eine Mehrheit der 70% Unterstützer einer Präsidentschaft von ihrem Irrtum überzeugt. Darum soll die Armee ruhig eingreifen. sonst wird am Ende noch ein Präsident rechtmässig, nach allgemeinem Wahlrecht gewählt, wie zum Beispiel in den Muslim-Staaten USA, Frankreich und Chile.
Dreimal putschte seit 1949 die Armee, jdeesmal wurden alle Politiker gefangengesetzt und einige gehängt. Die Angehörigen linker Oppositionsbewegungen, auch gemäßigter, werden massenhaft in Gefängnissen und Konzentrationslagern festgesetzt und gefoltert, ihre Familien terrorisiert. Die meisten von ihnen waren so "säkular", wie nur irgendwas, doch leider auf andere Weise, als es den türkischen Generälen genehm war.
"Schade, aber was will man machen..."(van Kooten und De Bie, niederländische Satiriker),"Man kann kein Omelette backen, ohne Eier zu zerschlagen"(Stalin),"Vivere Pericolosamente"=gefährlich Leben (Mussolini), dessen Strafrecht von Atatürk in Gänze übernommen wurde und das im Wesentlichen heute noch gültig ist.
Die naiven Führer Europas sind gewarnt.Gute "Liberale", so Hirsi Ali, streben nach der Armee als Staat im Staat:
Naive, aber wohlmeinende europäische Führer sind von Anfang an dahingehend manipuliert worden, dass sie eine zivile Kontrolle über die türkische Armee gefordert haben wie es sie auch in allen anderen Mitgliedstaaten gibt.
Ach, Ihr Dummerchen! Warum hört Ihr nicht auf Ayaan? Es gibt einfach keine bessere Garantie für eine Demokratie als eigenmächtige Streitkräfte. Die eigenen, oder, wenn nötig, ausländische.
Ihr Modell: MogadischuZum Beispiel, was die äthiopische Armee betrifft, die mir US-Luftunterstützung die somalische Hauptstadt Mogadischu terrorisiert, nachdem sie die durch den Volkswillen an die Macht gekommenen Islamischen Gerichte verjagt hat. Die traditionellen Stammesführer-Warlords, unter Führung von Yussuf, dem Chefs des
Darod Stammes, dem Hirsi Ali angehört, und Ministerpräsident der jahrelang machtlosen Somalischen Marionettenregierung, , sind wieder auf alte Art und Weise zugange: Krieg gegen die einfachen Menschen und Krieg gegeneinander. Die wichtigste Startbahn des Flughafens ist unter drei Kriegsherrn aufgeteilt, die sich, wenn sie zwischen dem Bombardieren von Krankenhäusern und Wohngebieten die Zeit dazu finden, gegenseitig mit Artillerieunterstützung die Landerechte streitig machen.
Hirsi Ali unterstützt dieses Stück US-Politik aus ihrer "Antiterrorismus"-Funktion im
American Enterprise Institut. Selbst diese Heuchler fanden es doch zu irre, Frau Ali als Islam-Expertin anzuerkennen. In ihrer Funktion beim AEI soll sie sich nicht über Religion auslassen, sondern nur Älteres veröffentlichen: "Mit wissenschaftlichem Unterbau" (Interview in der 'Volkskrant' 2006). Darum ist auch ihr schon ewig angekündigtes Buch über den Propheten Muhammad noch nicht erschienen.
Die amerikanischen Neocons haben nämlich ihre eigene
Dawa, das Bündnis mit den christlichen Fundamentalisten. Ganz toll liberal. Im neokonservativen Parteiblatt,
"The Weekly Standard", ist noch kein einziger
Artikel von Hirsi Ali oder über sie erschienen. So hat auch die Prawda gearbeitet. Mitläufer sind "nützliche Idioten", aber man muß sie auf Abstand halten.
Die neokonservative US-Politik in Somalia (dort gibt es kein Öl, also überlässt man die Intervention einer "Coalition of The Willing" ) steht Modell für Ayaan Hirsi Ali (Magan)s Rezept für die Türkei. Schließlich handelt es sich auch dort um ein Land im Griff des Islam. Es wäre sicherlich interessant, mal zu hören, was sie über Albanien und den Kosovo zu sagen hat: äusserst gefährliche Muslime dort: rauchen, trinken und wollen in die EU.
[Teil 2. folgt!]
BigBerta schrieb auch noch eine kurze Einleitung, die wie hier übernehmen:
Bevor wir mit dem Verlauf der Ali'schen Karriere weiter fortfahren, soll hier eines ihrer neuesten Themenfelder vorgestellt werden: die Türkei. Aber davor muß noch die Frage beantwortet werden, warum wir uns denn soviel Mühe mit ihr geben:
Nun, sie ist ein besonders übler Prototyp der "islamischen Frauenrechtlerin", der die Rechte der muslimischen Frauen ziemlich egal sind, wenn es um die eigene Profilierung und Karriere geht. In den Niederlanden hat sie verbrannte Erde hinterlassen und nicht nur bei Muslimen ausgespielt und die einst angeblich so wichtigen Themen sind jetzt uninteressant für sie. Wer diesen "Typ" kennt, kann ihre Klone einschätzen.Wer Hirsi Ali kennt, kennt auch Necla Kelek, Seyran Ates und wie sie sonst alle noch heissen mögen.
Oktober 1st, 2007 at 7:24 nachmittags
Unglaublich, wofür der holländische Staat sein Geld so rauswirft. Ist das denn mit neoliberalen Grundsätzen vereinbar? Sollte man Frau Magan nicht besser eine Knarre in die Hand drücken und sagen “Sieh, wie du zurecht kommst?”
Oktober 2nd, 2007 at 12:22 vormittags
Man sollte Frau Magan generell sagen, “sieh zu, wie Du zurecht kommst”. Zur Erinnerung hier noch mal das Video:
http://www.veoh.com/videos/v530717FZXWdAkG
Oktober 2nd, 2007 at 1:28 vormittags
@jolly rogers
Nein, ich bin der Meinung dass Ajaan Hirsi Ali Anspruch auf Schutz hat. Frau Halsema (Groen Links) hat Recht. Die konservative und fremdenfeindliche Parteien haben sie Jahrelang ausgebeutet und haben sich klammheimlich hinter sie und ihren radikalisierenden Auffassungen versteckt. Weil die niederländische Gönner Hirsi Alis die Verantwortung für ihre Situation nicht auf sich nehmen, muss es nun einmal der Staat tun.
Hirsi Ali’s Flucht in den USA hat angefangen mit ihrem Rauswurf aus einem Haager Wohngebäude deren Mitbewohner (vermutlich übrigens meistens Anhänger der VVD und PVV, die rechten Populisten die Hirsi Ali so bewunderten) sich verunsichert fühlten vom Hin und Her des alischen Schützstaffels.
Anscheinend, waren ihre niederländische Gönner im Mai 2006 der Meinung, dass die Mohrin ihre Schuldigkeit getan hatte, und gehen konnte. Onkel USA schien die Lösung zu bringen. Aber das hat nicht geklappt.
Selbstverständlich, sollten VVD und PVV und ihre Finanziers den Schutz bezahlen. Aber, weil sie es nicht tun, und weil es nicht möglich ist, sie dazu zu zwingen, tritt seit Mai 2006 die LINKE demokratische Parteienschaft für sie und ihre Sicherheit auf. Nicht weil man etwa ihre Ideen umarmt hätte, sondern weil es um die Verteidigung der Redefreiheit geht. (Manifest von zwölf linken Intellektuellen und Artisten, Mai 2006, gegen Alis Entbürgerung von VVD-Immigrationsministerin Verdonk).
Meiner Meinung nach, sind die neue Auffassungen Hirsi Alis (Anstachelung von Volksbewegungen gegen Muslimen und Moscheen, wozu sie aufrief in der Pepperdine Konferenz am 11. Juni 2007), der wahre Grund für ihren Entfernung aus Washington. Die NeoCons des American Enterprise Institute mögen keine antiklerikale und antireligiöse Radikalisierung.
Washington hat einfach das unerwüschte Paket an den Absendern zurückgeschickt. Wenn es nicht so tragisch wäre, würde ich meinen aufrichtigen Schadenfreude um die Holländer und ihren unerwünschten Elephant im Porzellanschrank, hier zum Ausdrück bringen.
Zahlen sollen sie! Vielleicht denkt man dann besser nach, bevor man versucht, sich billigstens eine Jeanne d’Arc auf Holzschuhen einzukaufen.