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16 Juni, 2009

Ethnische Säuberung Europas? Wilders fordert Abschiebung von "Millionen" von Muslimen (Rev.)

(Vorbemerkung: Eine freundschaftliche Hand hat meinen deutschen Text der ursprunglichen Veröffentlichung, zu veredeln gewusst. Oder, besser gesagt: Mein Kauderwelsch in verständliches Deutsch umgeschrieben. Wofür mein unendlichen Dank!)

Letzten Sonntag wurde der niederländische Parlamentarier Geert Wilders in eine Sendung des dänischen Fernsehens befragt.

Er entfaltete das Programm für eine ethnische Säuberung Europas. Von Menschen muslimischer Herkunft, versteht sich.

Hör zu (Englisch/Dänisch), wie er sein Programm entwickelt:

Zusammenfassung:

Es gibt zu vielen Menschen muslimischer Herkunft in Europa und es wird von denen noch mehr geben, weil sie sich so schnell fortpflanzen. Muslime (und ihre in Europa geborene Kinder) sind mit einer "kriminellen Ideologie" (Islam) geimpft worden. Leider sind sie nicht integrierbar und als Ganzes permanente Unterwanderung "unserer" Werte. Deshalb gäbe es so viele Kriminelle unter ihnen. Die Jungen sollten unmittelbar in die Herkunftsländer ihrer Eltern abgeschoben werden. Aber das ist nicht genug: Jeder Muslim "der anfängt zu an Sharia und Jihad zu denken" oder an das "Kalifat", sollte ebenfalls abgeschoben werden.

Obwohl er sagt, dass nichts gegen einzelne Muslime vorzubringen hätte, meint er doch, dass sie alle an einem Projekt zur "Übernahme unserer Kultur um sie grundsätzlich zu ändern teilhaben. Die Abschiebung der kleinen Kriminellen ist also nur eine Vorübung für die Rettung Europas mittels ethnisch-religiöser Markierung.

Wie jeder gewandte ethnische Säuberer, hat Wilders auch eine Salamitaktik entwickelt: Anfangen mit der Isolierung eines Teils der ausgewählten Gruppe, akzeptabel machen dass sie schwerer bestraft werde als andere Menschen, also die Gleichheit im Gesetz abschaffen. Aber, im dänischen Interview, hat Wilders schon eine weitere Gruppe visiert. Nämlich: "...diejenigen die an Jihad und Sharia DENKEN ". Unbedingt raus! Auch mit denen!

Wilders kriecht durch einen Loch im Rechtsstaat: Durch Umdefinierung einer Religion zu ein "genetisches Defekt", schürt er Freizettel zu Diskrimination und Verfolgung bestimmter Staatsbürger

Damit geht er einen Schritt weiter als vorhin. Man darf nicht nur nicht mehr seine Meinung sagen, nein, man darf eben nicht mehr an etwas denken!! Die logische Folge ist klar: Weil man nun einmal nie wissen kann, was einer denkt, ist jeder Muslim oder Kind eines Muslims, ein potentieller Gefahr. Oder umgekehrt: Wenn jemand Muslim ist, ist es unmöglich dass er nicht über Umma, Jihad und Sharia nachdenkt. Und somit ist er/sie Kandidat für die wilders‘sche Abschiebung. Die selbstverständlich anfängt mit Inhaftierung in ... Was denken Sie? Gut geraten! In einem Lager, wo sie 'konzentriert' werden.

Der Mann sagt, bis heute ungestraft, dass es sich um "Millionen", "Dutzende Millionen", handeln könnte.

Leider ist Wilders nicht mehr die marginale, hysterische, Figur von vor wenigen Jahren. Er hat eine grosse Gefolgschaft in den Niederlanden (zweitgrösste Partei), in Israel, bei den amerikanischen Konservativen die ihn finanziell unterstützen und in mehreren Staaten Europas. Es wäre zu verwirrend, aber nicht ungerecht, ihn mit dem Hitler der zwanziger Jahre zu vergleichen.

Aber nehmen wir ein aktuelleres Vorbild. Wer hätte den hetzenden Dichter Radovan Karadzic des Jahres 1990, der raste gegen alle nichtserbischen Bosniaken, ernst genommen? Und wo ist er jetzt? Genau: Er muss sich wegen Genozid und ethnischer Säuberung Tausender Menschen verantworten: beim haager Jugoslawien-Gericht der Vereinten Nationen.

Und, wie Experten des Gerichtshofes sagen, man kann nur beweisen, dass er von Anfang an den Genozid vorhatte, wenn man seine Äusserungen aus der "Vorzeit" betrachtet. Man hätte also vorher wissen können, worauf es dem Dichter ankommen würde.

Wenn wir in der Zukunft ethnische Säuberungs-Operationen zuvorkommen möchten, sollte Herr Wilders schon jetzt beim Internationalem Strafhof im Haag verklagt werden.

Wer wagt das?

(Aus: HUIBSLOG)

03 Februar, 2008

Klammheimliche Hetzer und staatstragende Kollaborateure: Vor oder nach dem Genozid bestrafen? Oder gar nicht?

Jochen Hoff,
der berliner Blogger (Duckhome), ist einer der deutschen Blogger die von Udo Ulfkotte und Pax Europa verklagt worden sind, weil sie Ulfkotte mit Rassismus in Zusammenhang brachten.



Heute veröffentlicht er einen Post, in dem er eine These zum antwerpener Debie-Urteil entwickelt, die sich von der Unseren unterscheidet. Er meint, dass es wenig wahrscheinlich sei, dass die frankfurter Richter in Februar von dem belgischen Arrest beeinflusst werden. Auch der europäische Trend zur Verschärfung des Vorgehens gegen Vorbereitung und Schürung der Hetze und der (Rassen-) Diskrimination, werde sich wahrscheinlich in Frankfurt (noch) nicht durchsetzen.

Es brauche, so Hoff, noch einen Langen Marsch durch den nationalen und europäischen Institutionen, bevor die deutsche Nachkriegstradition der Schonung von Kollaborateuren und klammheimlichen Hetzern gebrochen werden könnte.

Wie könnte man rechtzeitig das klammheimliche Übel anfassen?
Eingestanden soll es sein, dass es schwierig ist, Menschen, wovon jeder weiss, dass sie mitgeholfen haben (oder im Begriff sind mitzuhelfen) Genozide, Pogrome oder Bürgerkriege zu schüren, aber die sich auf ihnen erteilten Befehlen berufen, oder auf ihren Unwissentheit, oder auf jeweiligen guten Absichten, zu be- und ver- urteilen. Was sind die Fakten? Kann man jemand, der bestreitet Rassist zu sein, dennoch wegen Schürung des Rassismus verurteilen?

Meine Antwort ist: "Ja". Man kann es nicht nur. Mal soll es auch. Und zwar, womöglich, bevor der Genozid, der Pogrom und die Lynchpartien stattgefunden haben.

Die Gefahr ist selbstverständlich, dass es schwierig ist, auszufinden, wo die Redefreiheit aufhört zu primieren über den üblen Absichten. Missbrauch dergleichen gesetzlichen Bestimmungen seitens Regierungen, und von nicht-unabhängigen Richtern, ist ein grosses Risiko.

Anfassen beim Wurzel, nicht bei der Ausschweifungen; bei den Opinionsmachern also
Die Streit um der Aufrechterhaltung der Genozid-Klagen gegen Milosevic beim Jugoslawien-Tribunal in Den Haag, wie sie von Florence Hartmann*) beschrieben wird,zeigt, dass man, eben bei einem Hauptverantwörtlichen,nicht umhin kann, die Vorbereitungshandlungen und die systematische Schürung wie Straftat zu beurteilen. Weil ja dem Milosevic nicht nachgewiesen werden könnte, dass er konkrete Befehle erlassen hätte zum Genozid und er auch nicht persönlich daran teilgenommen hatte.

Wichtig dabei ist auch die Position die der Angeschuldigte innehat: Ein jeweiliger Kommentator bei PI, der sich an Gewaltphantasien gegen Muslimen aufgeilt, sollte man unterscheiden von Leuten die als Intellektueller und Publizist systematisch befassen mit klammheimlicher Hass-schürung.

Geduld, aber auch Urgenz
Ich muss gestanden, dass Jochen Hoff wirklichkeitsnäher ist als ich, wenn er sagt, dass "Ungeduld" ein schlechter Ratgeber ist, wenn es, wie hier, gehe um eine grosse Umwandlung der Verfolgungspolitik. Was im Alltagsleben als Evidenz erscheint, nämlich die schuldige Verantwortlichkeit der Hetzer, ist es ja noch lange nicht in der Welt der Jurisprudenz.

Prudenz = Vorsichtigkeit. Vorsicht ist eine positive Sache, wenn es um Angelegenheiten geht, die der Meinungsfreiheit berühren. Leider schafft dieser Vorsichtsfrist jedoch auch ein zu raum befristetes Spielfeld für die Anstacheler der Lynchpartien. Bei aller Gelassenheit und Geduld, sollte man auch nicht vergessen, dass es sich um eine sehr dringende Sache handelt.

Die Anti-Islam Strategen, die Juni 2007 in Kalifornien sich versammelten, hatten zwei Hauptlinien festgelegt.
  • Die Erste ist "Advocacy": Gebrauch und Missbrauch von bestehenden und zu veranlassenden gesetzlichen Bestimmungen, zwecks Isolierung und Marginalisierung von Muslimen. Das geht von Kopftücherverboten bis zum Pflicht um Warnungszeichen an Moskeen und muslimischen Geschäften zu kleben. (Der schweitzer Anwalt Arnaud de Montebour).
  • Die zweite ist "Social Action": Weil der Staat zu langsam und zu wenig aufkommt gegen der unterstellten Islam-Gefahr, sollte man die Volkswut anstacheln gegen Moskeen. Schürung des gesunden Volksempfindens, sogesagt. Befürwörterin dieser Linie war Ajaan Hirsi Ali, enttäuscht über das Misslingen ihrer holländischen parlamentarischen Laufbahn.
(Ich berichtete über der "Pepperdine" Konferenz und der Teilnahme von Heinrich Broder, u.A., in Legal Alien in New York, 5 Artikel, zum Beispiel hier).

Ohne zu ulfkotteschen Verschwörungstheorien (Muslimbruderschaft) abzugleiten, kann man nicht umhin, festzustellen, dass die zwei Strategien schon breite Anwendung finden, in Deutschland, in Europa und in den Vereinigten Staaten. Teils handelt es sich dabei um Opportunismus und Papageierei. Teils ist es nur modisch, oder noch ein Protest gegen die intellektuellen Leere des modernen Westens. Aber die Auswirkungen sind potentiell äusserst gefährlich. Man kann nicht abwarten, bis der der anschleichende Genozid stattfindet.

Nachdem Jochen Hoff meine Bewertung des antwerpener Urteils und die des Dietmar Näher (Politisch Korrekt) zitiert hat, schreibt er:

Zunächst einmal ist die Verurteilung von Bart Debie ein wichtiger Sieg gegen den Rassismus in Europa , auch wenn im Rahmen des Berufungsverfahrens die Strafe vermutlich noch etwas, wenn auch unbedeutend abgemildert wird. Ich tippe darauf das er nicht in Haft muss und ihm die bürgerlichen Ehrenrechte verbleiben, während die Geldstrafe erhöht wird. Das ist so die Art Kuhhandel. den ich zumindest in Deutschland erwarten würde.

Allerdings haben die anderen Europäer ein etwas anderes Verhältnis zu Faschisten und Rassisten als wir in Deutschland. Bei uns in Deutschland ging es nach 1945 darum die Vergangenheit möglichst schnell zu vergessen und wieder zur Tagesordnung über zu gehen. Bei der Menge an Schuld, wäre es schwer, wenn nicht gar unmöglich gewesen, diese wirklich aufzuarbeiten. Also wurde das Ende der Nürnberger Prozesse, im Prinzip auch als das Ende der Aufarbeitung gesehen.

Insbesondere die deutsche Justiz, die in ihren eigenen Reihen mit erheblicher Schuld zu kämpfen hatte, war nicht wirklich an einer weiteren Verfolgung interessiert, zumal die Täter ja alle staatstragend waren, und ihre Befehle befolgt, ja teilweise mit viel Freude auch übererfüllt hatten. Die deutsche Justiz, die sich ja immer als staatstragend verstanden hat und staatlichem Unrecht meist reaktionslos gegenüberstand und gegenübersteht, hat diesen Bereich bis heute praktisch geschlossen, auch wenn in letzter Zeit ein paar Verfahren für Aufsehen sorgten, weil eben doch bestraft wurde.

Im restlichen Europa waren die Täter ja nicht nur Rassisten oder Faschisten sondern häufig auch Kollaborateure, also Leute die mit den Deutschen, dem Feind, zusammengearbeitet hatten. Das führte von Anfang an zu einer anderen rechtlichen Betrachtungsweise als bei uns. Natürlich war auch der Umgang mit den Kollaborateuren nicht immer einwandfrei.

Während es in Deutschland schwer bis unmöglich ist, eine Staatsanwaltschaft dazu zu bekommen, das sie wegen Volksverhetzung oder Aufruf zum Rassenhass ermitteln, geht das in anderen Teilen Europas einfacher. Auch wenn dort ansonsten ein weniger obrigkeitsgläubiges Rechtssystem als bei uns vorherrscht. Unsere Rassisten und auch die Faschisten und Faschistoiden geben sich ja meist staatstragend. Als Beschützer jenen Deutschseins, das es zwar real nie gegeben hat, das aber für viele eine schöne Fiktion ist.

Darüber kann man schimpfen und wütend sein, aber das ändert nichts an den Tatsachen. Es gibt auch so richtig keinen Grund mehr wütend zu sein. Wir leben mittlerweile alle im gleichen Europa. Das bedeutet nicht nur für einige eine gemeinsame Währung, gemeinsame Grenzen, gemeinsame Gesetze und Vorschriften sondern auch gemeinsame Europäische Gerichte als letzte Instanz.

Wenn nationale Gerichte sich weit von europäischen Normen entfernen oder gar Menschenrechtsfragen berührt werden, dann macht es Sinn mit seinen Anliegen nach Europa zu gehen. Während in Deutschland die Verurteilung von Bart Debie bedeutungslos ist, bildet sie in Europa die neue, europäische Rechtstradition mit aus und wird in einigen Jahren oder Jahrzehnten, nach den entsprechenden höchstrichterlichen Urteilen auch die deutsche Rechtstradition verändern.

Die Annahme von Huib Riethof und Dietmar Näher, das die Verurteilung von Bart Debie etwas für die Verfahren Ulfkotte und Pax Europa gegen Blogger und dann auch gegen die beklagten Journalisten und Wissenschaftler bringt, teile ich nicht. Wie bereits angeführt ist ein belgisches Urteil in Deutschland belanglos. Da würde die Einschätzung des Brüsseler Bürgermeisters der die Verantwortlichen der von Dr. Udo Ulfkotte angemeldeten Demonstration als Rassisten bezeichnete und dabei auch auf die belgischen Sicherheitskräfte verwies, die, diese Einschätzung wohl getroffen hatten, viel mehr bringen. Aber auch sie scheint in der ersten Instanz eher belanglos zu sein.

Bart Debie ist eine Einzelperson, die zwar sehr nahe mit Dr. Ulfkotte verbunden ist, aber wenn Bart Debie einen Banküberfall begeht, würden wir ja auch nicht automatisch annehmen, das Udo Ulfkotte sein Komplize ist. Selbst das beide sich als Sicherheitsexperten bezeichnen spielt keine Rolle. Schuld ist eine individuelle Angelegenheit. Die Schuld des Bart Debie wurde vom belgischen Gericht jetzt bestätigt. Seine individuelle Schuld. Nicht die von Udo Ulfkotte.

Das ist mir deshalb so wichtig, weil ich ja eben Herrn Ulfkotte vorwerfe, das er die Moslems für etwas verantwortlich machen will, was vielleicht ein einzelner Moslem getan hat, oder nur in irgendwelchen Fantasien existiert. Wenn ich Herrn Ulfkotte für Bart Debie verantwortlich mache, dann benutze ich die gleiche Methode, die ich überall vehement bekämpfe.

Natürlich bin ich persönlich fest davon überzeugt, das beide für die gleiche Sache kämpfen und das die Verflechtungen sehr viel intensiver sind, als wir alle annehmen. Natürlich reicht das von bulgarischen Rechtsradikalen bist zu den Resten französischer Rechtsterroristen. Aber das muss bewiesen werden. In Einzelschritten. Genau das wird in Frankfurt und in den Folgeprozessen passieren. Es ist eine reine Fleißarbeit, die über Jahre gehen wird. Ein Verfahren wird sich an das andere reihen. Mal obsiegt die eine, mal die andere Seite. Bis es das Urteil in letzter Instanz gibt.

Das kostet Zeit und Nerven. Allerdings glaubte auch Bart Debie schon einmal davon gekommen zu sein. Nun hat ihn die harte Realität eingeholt. Bei jeder Niederlage gibt es natürlich auch ehemalige Mitstreiter, die dann erzählen wie einiges wirklich war. Dem Frieden, den PI und die Leute die für Brüssel gespendet hatten, mit Dr. Ulfkotte heute scheinbar haben, dem Frieden traue ich nicht. Auch da werden wir noch einiges erleben. Im Laufe der Zeit.

Vor Gericht und auf hoher See ist Ungeduld ein schlechter Ratgeber.

Schöner Text, nicht wahr? Wir marschieren getrennt, aber werden zusammen schlagen.


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03 Oktober, 2007

Hirsi Ali und ihre Förderer

Zweierlei Nachtrag zum vorgehenden Artikel:
  1. In meiner Aufregung über die Niederträchtigkeit vieler Leserbriefen an die NRC, habe ich "die" Holländer der Geiz beschuldigt. Entschüldigung. Ein grosser Fehler für einem Antirassist. Wir suchen ja immer uns zu enthalten von Generalmeinungen über Gruppen, Ethnien, Kulturen, Religionen. Es gibt, ich wiederhole es hier nochmals, glücklich viele Bürger des niederländischen Staates, die die Sachen, wie ich auch, vom Grundgesetze und Moral heraus betrachten. Bigberta wies mich im Watchblog Islamophobie zurecht. :-(
  2. Jochen Hof in Duckhome meint dass die Förderer Hirsi Alis nicht so naiv gewesen sind als ich denke. Er sieht vielmehr eine zynische Verschwörergruppe an der Arbeit, die absichtlich Ajaan Hirsi Ali als eine Art Köder eingesetzt haben, um die Muslime zu provozieren. Ich stimme damit nicht überein. Wann in 2002 VVD-Parteiprominentin Neelie Smit-Kroes die Angestellte beim Wissenschaftlichen Büro der holländischen Sozialdemokraten (Ali) wegkaufte, war man sich nog wenig bewusst von der Terrordrohung im Lande und dachte man sicherlich noch nicht an möglichen Sembstmordattacken die von einheimischen Muslimen verübt werden könnten. Nein, was man vorhatte, war die Eindämmung der enormen Wählerverluste der VVD an den Fortuynisten und ihren Nachfolgern. Noch im Januar 2006, vier Monaten vor der Abschiebung der Hirsi Ali nach Amerika, verlieh Smit-Kroes (inzwischen EuropaKommissarin) feierlich in Den Haag an Ajaan Hirsi Ali die Preis (des "Das Beste") der "Europäerin des Jahres":
Ajaan Hirsi Ali und Neelie Smit-Kroes beim Readers' Digest Feier im Haag, Januar 2006 (Photo: Das Beste)
23.01.06
Ayaan Hirsi Ali zur Europäerin des Jahres 2006 gekürt

EU-Kommissarin Neelie Kroes überreichte die Auszeichnung von Reader’s Digest heute Abend in Den Haag

Zürich, 23. Januar 2006.
In einer feierlichen Zeremonie wurde heute Abend in Den Haag die
niederländische Parlamentsabgeordnete Ayaan Hirsi Ali zur „Europäerin
des Jahres 2006“ gekürt. Die niederländische EU-Kommissarin Neelie
Kroes überreichte die Auszeichnung von Reader’s Digest und
würdigte die gebürtige Somalierin als ein „Musterbeispiel für alle, die
an ihre Aufgabe glauben und mutig versuchen, ihre Ideale zu
verwirklichen“.

Bis heute, hat die VVD-Parteiführung, meines Einsehens, nicht verstanden, dass sie hauptverantwörtlicher ist, für die Welle von Provokationen und Beleidigungen die die Muslime provoziert haben. Seit Jahren warnen Rapporten der Regierungs-Sicherheitsexperten und der Geheimdienst des Innern (AIV) gegen diesen Provokationen. Die VVD zeigt sich bis heute dann noch immer "entrüstet", dass Regierungsangestellten angeblich die Freiheit der Meinungsäusserung" beschränken möchten. Die sind einfach blind für die Zusammenhang zwischen die Provokationen der Hirsi Ali und ihre "Bande" von intellektuellen Nachahmern. Warum? Weil sie nur an ihrem eigenen Stimmengewinn oder -Verlust gedacht haben.

Selbstverständlich ist dies Erzdumm. Beinahe pathetisch.

Und ich weiss nicht was schlimmer ist: Dummheit oder Zynismus.
Die Folgen sind in jedem der beiden Fällen ebenso schlimm.

Der Unterschied liegt bei den Ursachen: Dummheit ist schwieriger zu beseitigen als Zynismus.


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Hirsi Ali von den NeoCons per Nachnahme nach Holland zurückbefördert - Geizige Holländer peinlich im Geldbeutel getroffen

Watchblog Islamophobie [DE] (siehe oben) beschäftigt sich selbstverständlich auch mit dem Rückkehr Ajaan Hirsi Alis in den Niederlanden und der Streit um der Finanzierung ihres Schutzes. Gestern gab es eine gute Übersicht der ersten Reaktionen in der niederländischen Presse im Watchblog. Heute ist man erstaunt man über die feindlichen, ja hässlichen, Leserbriefen die massenhaft eingesandt werden bei den Tageszeitungen.

Und zu Recht. Noch vor einem Jahre wurde Ajaan Hirsi Ali überschüttet mit (internationalen) Preisen, Auszeichnungen und Ehrenwürden. Aber jetzt, wenn man sie nicht mehr braucht, weil Anti-Islamismus überall akzeptierter Modetrend geworden ist, fängen die erz-geizige Holländer an, ihr alle Vorwürfen zu machen, die wir schon seit Jahren vergebens zum Ausdruck gebracht haben, nur um ihr einen weiteren Personenschütz auf Staatskosten entsagen zu können. Eben in der gutbürgerlichen NRC, sind rassistische und sexistische Bemerkungen an Frau Alis Adresse bei den Briefschreibern nicht selten.

Dass dabei zugleich auch mehrmals eine starke Abneigung gegen der Bande der intellektuellen Ali-Verehrern wie Leon de Winter, Afshin Ellian und Geert Wilders zum Ausdrück kommt, möchte man werten als eine positive Beiwirkung eines übrigens schamhaftes Vorgehens.

Meine Meinung ist, wie ich auch im Watchblog (siehe Unten) und (in NL) im Huibslog und in der NRC-Diskussion zum Ausdruck gebracht habe, dass Hauptverantwortlicher für die Impasse über Hirsi Ali's Schutzbedürfnissen, die rechte Liberale Partei VVD ist. Eine ihrer Häuptlingen, Frau Neelie Kroes (jetzt Eurokommissar für Konkurrenz), hat 2002 Hirsi Ali in einen VVD-Parlamentzsitz katapultiert, nur, um sie als Geheimwaffe gegen die Populisten Pim Fortuyns einzusetzen, und, ohne sich selbst hervorzuwagen, ihre Partei auf billigen Weise einen anti-islamischen Status zu geben.

Dieses populistisches Opportunismus hat seinen Preis. Rechts von der VVD, ist Ali-Freund Geert Wilders 2006 mit mehr als 10 Sitzen im 150 Mitglieder starken haager Parlament eingezogen. Die VVD musste ihren Regierungsposten aufgeben. Ali-Freundin Rita Verdonk, bis 2006 VVD-Ministerin für (oder besser: gegen) Immigration, Flüchtlingen und Integration, hat sich vor einigen Wochen von der VVD abgeschieden und bereitet auch eine neue Rechtspartei vor.

Eigentlich sollte zu diesen Schaden der VVD auch addiert werden: Ihre Verantwortung für die Sicherheit ihres früheren Freischützes. Aber auf diesem Punkt hat entweder die VVD, noch ihre Mitglieder und Spender, sich zu zahlen bereitgestellt. Nur in zwei oder drei der NRC-Leserbriefen (den Meinigen mitgerechnet) wird diese Zusammenhang erwähnt.

Ich bin der Meinung, dass, wo die VVD und Alis amerikanische Arbeitgeber (das Cheney-geführte neokonservative American Enterprise Institute in Washington DC, lese am Ende dieses Artikels) sich der Zahlung für Schutz verweigern, der niederländische Staat einen Ehrenschuld hat an die von der Politik missbrauchten Frau, und dass sie, wiesehr ich auch ihren Meinungen verwerfe, unter passendem Schutze Rede- und Bewegungsfreiheit bekommen soll.

Unten, mein Kommentar von Gestern in der Watchblog Islamophobie:

  1. jolly rogers Says:

    Unglaublich, wofür der holländische Staat sein Geld so rauswirft. Ist das denn mit neoliberalen Grundsätzen vereinbar? Sollte man Frau Magan nicht besser eine Knarre in die Hand drücken und sagen “Sieh, wie du zurecht kommst?”

  2. bigberta Says:

    Man sollte Frau Magan generell sagen, “sieh zu, wie Du zurecht kommst”. Zur Erinnerung hier noch mal das Video:
    http://www.veoh.com/videos/v530717FZXWdAkG

  3. Huib Says:

    @jolly rogers
    Nein, ich bin der Meinung dass Ajaan Hirsi Ali Anspruch auf Schutz hat. Frau Halsema (Groen Links) hat Recht. Die konservative und fremdenfeindliche Parteien haben sie Jahrelang ausgebeutet und haben sich klammheimlich hinter sie und ihren radikalisierenden Auffassungen versteckt. Weil die niederländische Gönner Hirsi Alis die Verantwortung für ihre Situation nicht auf sich nehmen, muss es nun einmal der Staat tun.

    Hirsi Ali’s Flucht in den USA hat angefangen mit ihrem Rauswurf aus einem Haager Wohngebäude deren Mitbewohner (vermutlich übrigens meistens Anhänger der VVD und PVV, die rechten Populisten die Hirsi Ali so bewunderten) sich verunsichert fühlten vom Hin und Her des alischen Schützstaffels.
    Anscheinend, waren ihre niederländische Gönner im Mai 2006 der Meinung, dass die Mohrin ihre Schuldigkeit getan hatte, und gehen konnte. Onkel USA schien die Lösung zu bringen. Aber das hat nicht geklappt.

    Selbstverständlich, sollten VVD und PVV und ihre Finanziers den Schutz bezahlen. Aber, weil sie es nicht tun, und weil es nicht möglich ist, sie dazu zu zwingen, tritt seit Mai 2006 die LINKE demokratische Parteienschaft für sie und ihre Sicherheit auf. Nicht weil man etwa ihre Ideen umarmt hätte, sondern weil es um die Verteidigung der Redefreiheit geht. (Manifest von zwölf linken Intellektuellen und Artisten, Mai 2006, gegen Alis Entbürgerung von VVD-Immigrationsministerin Verdonk).

    Meiner Meinung nach, sind die neue Auffassungen Hirsi Alis (Anstachelung von Volksbewegungen gegen Muslimen und Moscheen, wozu sie aufrief in der Pepperdine Konferenz am 11. Juni 2007), der wahre Grund für ihren Entfernung aus Washington. Die NeoCons des American Enterprise Institute mögen keine antiklerikale und antireligiöse Radikalisierung.
    Washington hat einfach das unerwüschte Paket an den Absendern zurückgeschickt. Wenn es nicht so tragisch wäre, würde ich meinen aufrichtigen Schadenfreude um die Holländer und ihren unerwünschten Elephant im Porzellanschrank, hier zum Ausdrück bringen.
    Zahlen sollen sie! Vielleicht denkt man dann besser nach, bevor man versucht, sich billigstens eine Jeanne d’Arc auf Holzschuhen einzukaufen.

Man kann ruhig unterstellen, dass es noch andere Ursachen gibt für Hirsi Alis Zurückfahren nach Holland. Das AEI, wo, so der NRC von heute, "Hirsi Ali nicht bei Jedem Mitarbeiter ebenso geliebt" sei, hat ihr schon am Anfang, im vorigen Jahr, verboten, um im Namen des Istituts ihren Islamtheorien zu verkünden. Sie soll sich beschränken auf "Terrorismus-Analyse". Was wahrscheinlich heisst, dass sie die blutige ethiopische Invasion (2006, mit amerikanischem Luftstutz) in Somalien (Mogadishu) zu Günsten ihres stammverwandten Regierungspräsidents und seinen Marionettenregierung, die von Warlords duchsetzt ist, vom AEI aus "begleitet".

Die meisten Neokonservative sind aber nicht ganz entzückt vom antireligiösen Extremismus der "Gefesselten Jungfrau" (The Caged Virgin - Ajaans vorletztes Buch). Ihre Verbindung mit tollgewordenen Anti-Islamisten (und Anti-Europäer) wie Daniel Pipes und Mark Steyn, passt gar nicht in der Vision des "Amerikanischen Jahrhunderts" des neokonservativen Zentralkomitees.

Man hat die "gute" Gelegenheit angefasst, um den dummen Holländern ihren einstigen Jeanne d'Arc, die ja schon jenseits der äussersten Konsumdatum ist, per Nachnahme zurückzuschicken...

(Wurde gleichzeitig im huibslog veröffentlicht)

06 Juli, 2007

Die deutschen Schäferhunde des Leon de Winter (3 und Schluss)

Übersetzung von BigBerta (aktualisierte Version), veröffentlicht im Watchblog Islamophobie (DE) am 5. Juli 2007.
Originaltext in: De Lage Landen, Hirsi Ali zei het Zelf: Vergeet de Holocaust niet...

Letztes und dritter Teil der Schäferhund-Trilogie, in der sich Huib damit auseinandersetzt, auf welche Einfälle unsere Freunde in den Niederlanden so kommen. Hier ging es jetzt um den Einfall, marokkanische Fußballhools durch Gassen scharfgemachter Bellos und Brutos, also Deutscher Schäferhunde zu treiben. Im dritten Teil beschäftigt sich Huib mit der “Ideengeschichte” dieses Einfalls und zieht die Konsequenzen.

Huib schreibt weiter, dass er, als er über das “Copyright” dieser kreativen Idee nachgedacht habe, einen halben Tag mit sich gerungen habe, ob er den jüdischen Schriftsteller de Winter damit konfrontieren könne, dass das Treiben von Menschen durch Gassen von Hunden im Rahmen der nazistischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit eine große Rolle spielte, habe sich aber dazu entschlossen nach dieser de Winter’schen Rechtfertigung:

Die sind von Haus aus nichts anderes gewöhnt…

nämlich, daß man sie so behandelt. Huib schreibt weiter:

Nur noch mal zur Klarstellung: es geht um junge Menschen, von denen die meisten in den Niederlanden geboren sind und in der Mehrzahl der Fälle hier aufgewachsen. Obwohl ihre materielle Situation hier besser ist als in Marokko, werden sie zerrissen zwischen den Traditionen ihrer Eltern und der fremden, scheinbar toleranten, dabei bloß desinteressierten Gesellschaft.

Leute wie Leon de Winter wollen solche Menschen auf ihre Immigranten-Herkunft festnageln. Genau das Gleiche taten die Antisemiten, die die Juden als “Volksfremde Elemente” zeichneten. Ich kann auch nicht dafür: es ist so.

Eine solch strikte Unterscheidung zwischen “uns” und “ihnen” kann, ich wiederhole, k-a-n-n führen zu:Verstoßen, Ausstoßen, Vernichtung, Völkermord.Die Grenze, die nicht übertreten werden darf, liegt sehr weit vor dem Ausstoßen und Kriminalisieren, und hier macht de Winter sich schuldig.

Hunde auf Wehrlose loslassen: das passierte in Babi Jar, einer Schlucht ausserhalb von Kiew, in der 1941 Zehntausende Juden durch Einsatz- kommandos der SS ermordet wurden. Jewgenij Jetuschenko schrieb 1965 ein langes Gedicht ( hier kann man es anhören ), daß durch die Sowjets verboten wurde. Warum? Weil es auch die passive oder aktive Mitschuld der Bürger der Ukraine anklagte.

Das auszusprechen ist sowohl in der Unkraine als auch in den Niederlanden ein Tabu. Ist haram. Doch es ist genauso wahr, wie, daß Niederländische Polizisten und NSBer (s. dazu den Beitrag “die Zahnbürsten des Geert Wilders”, BB) mit Hunden Jagd auf Juden machten.

Babi+Jar+7527

Dieses Bild, so berichtet Huib, wurde nach dem Massaker von Babi Jarvon einem deutschen Armeefotografen, Johannes Hähle gemacht. Quelle.

Hier will ich Huib unterbrechen, denn ich habe zum Thema Hunde auch noch was gefunden: Als die schlimmste der Aufseherinnen in Auschwitz galt die 1945 hingerichtete Irma Greese, die “Hyäne von Auschwitz”. Neben anderen Untaten wird von ihr berichtet:

irma1„Nr. 9, Grese, war Aufseherin verschiedener Arbeitskommandos und zeitweilig Aufseherin des Frauenstraflagers in Auschwitz. Sie wurde als die schlimmste Frau des ganzen Lagers beschrieben. Es gab keine Grausamkeit im ganzen Lager, mit der sie nicht in Verbindung gebracht wurde. Sie hat regelmäßig an Selektionen für die Gaskammer teilgenommen, folterte nach eigenem Belieben und Ermessen. In Belsen setzte sie dieses grausame Verhalten genauso fort. Ihre Spezialität war es, abgerichtete Hunde auf wehrlose Menschen zu hetzen.”

Nochmal zum Mitschreiben: Irmas Spezialität war es, abgerichtete Hunde auf wehrlose Menschen zu hetzen!!!

Dann zitiert Huib noch aus einem Bericht über das Masaker. Die entscheidenden Sätze sind:

…die Juden wurden von Soldaten erwartet, die mit Hunden einen Korridor bildeten…

und etwas später:

Die Hunde wurden auf sie gehetzt.

Und zum Schluss schreibt Huib: Voilà, nun ist es zitiert. Ich weiss genau, daß weder de Winter noch Ellian einen Genozid an Marokkanern planen. Doch der Einsatz von Hunden. um sie zu erniedrigen oder unter Druck zu setzen. ist der Beginn von Unmenschlichkeit gegenüber denen, die “von Haus aus” schon “Untermenschen” waren.

Sowas macht mich, so schreibt Huib, wahnsinnig. Wie kann solch ein nüchternes Land wie die Niederlande so viele Hysteriker hervorbringen?

07 Juni, 2007

Leon de Winter und seine Schäferhunde

Watchblog Islamophobie übersetzt mehrere meiner holländischen Artikel aus "De lage Landen" und "In Europa Thuis". Weil Leon de Winter in Deutschland kein Unbekannter ist, drücken wir hier gerne den Anfang des übersetzten Artikels (mit Bemerkungen der Übersetzerin) ab. Mit der Einladung, es weiter zu lesen im WbIph!

Die Deutschen Schäferhunde des Leon de Winter - Teil 1

7. Juni 2007

Gut, Geert Wilders ist hier in Deutschland nicht so richtig bekannt - es sei denn als Objekt der Anbetung unserer Jungfrau Hirsi Ali.
Leon de Winter ist hier in Deutschland schon bekannter, nicht zuletzt durch sein Blog in der “Welt”, das irgendwie nicht mehr so angesagt erscheint. “The Free West” ist nämlich nicht mehr auffindbar. Bestimmt von einigen Dhimmies, die sich in die Redaktion geschlichen haben.

Im Blog von David Vickrey, Dialog Interational finden sich zwei Einträge über ihn:
Zu Ehren des Hasses: Leon de Winter empfängt Buber - Rosenzweig - Medaille in Berlin, in dem David Vickrey sich wundert, wie jemand, der sich den Einsatz von Massenvernichtungsmitteln gegen den Iran wünscht, einen Anti-Rassismus-Orden bekommt, und Neocon - Einfluss in Deutschland.
Nun hat unser Freund und Co-Blogger Huib eine weitere hübsche Schnurre geschrieben:


gse_multipart56359.jpg
(im Übrigen werden demnächst alle Beiträge über die niederländischen Großdenker-Innen dieses “Qualitätssiegel” tragen: die Zweifelkuh…)

Es wird immer verrückter im Rheindelta!
Es scheint nämlich ein Wettbewerb zu bestehen darüber, wer sich die obszönste Kollektiverniedrigung für (muslimische) Immigranten ausdenken kann.
Im vorherigen Post begegneten wir Geert Wilders, der marokkanische Jungs das Stadion mit Zahnbürsten reinigen lassen will. Den hatte ich zwar in dieser Rubrik erwartet, doch er hat mit seinem von Nazis und Sadisten entlehnten Rassismus all meine Erwartungen übertroffen.

Nun werden wir uns mit Leon de Winter beschäftigen, einem in der deutschen Presse sehr gesuchten Kommentator, wenn es um die Niederlande und ihre Immigranten geht, und Mitglied einer Bande von 3 bis 5 populistischen, intellektuellen Kommentatoren, die seit 2002 die Tagespresse unsicher machen. Was hat sich Leon denn überlegt, um den von ihm so verachteten Geert Wilders zu übertreffen?

Das kann man in der Web-Edition des Elsevier’s Wochenblatt von dieser Woche nachlesen .

(Elsevier ist ein nicht nur in den Niederlanden höchst renommierter Fachbuch- und Fachzeitschriftenverlag, der auch in Deutsch und Englisch publiziert, viele internationale medizinische und naturwissenschaftliche internationale Standardwerke verlegt hat und auch im Bereich „Neue Medien“ recht aktiv ist. So bietet er z.B. für das „Freiwillige Fortbildungszertifikat“ für Mediziner“ kostenlos online zu lösende Aufgaben, für die man dann hinterher seine Punkte einsammeln kann. BB)

Bei de Winter sind es keine Zahnbürsten sondern Hunde, die als Folterwerkzeug eingesetzt werden können. Sadistische Verfeinerung: Hunde sind im Islam „haram“, unrein. Da hat er mal eben aus Los Angeles Wilders den Wind aus den Segeln genommen.

(Was die Sause in Los Angeles betrifft: er ist auch da(bei) und so können wir uns auch hier sicherlich wieder auf einen Beitrag von ihm und einen Beitrag von Huib über den Beitrag freuen. BB)

Im Watchblog Islamophobie weiterlesen! >

Und, was mein Publikationsprogramm anbetrifft: Ich werde Leon folgen. Wie ein Schäferhund!


<- (Niederländische Fussballfans während der Welmeisterschaft in Deutschland, 2006, mit "Löwenhosen". Vielleicht möchten holländische Jungmarokkaner den Stadion-Verbot der über ihnen verhängt wird, entgehen, wenn sie sich in so ein Kostüm verkleideten?)

01 Juni, 2007

Ajaan Hirsi Ali plädiert für einen Präventivputsch der türkischen Armee (3)


Bigberta im Netz übersetzte meine höllandisch geschriebene Text zu Hirsi Ali und ihre Anregungen zu neokonservative Machtpolitik gegen Alles was nach Islam riecht. Jetzt ist das dritte und letzte Teil fertig. Wir drücken es, mit einigen wenigen Klarstellungen, hier ab.

Es folgt erst BB's Einleitung, mit Ausnahme der Passage zu der "Collapse of Europe". Auf diesem neokonservativen Unternehmen in Florida kommen wir hier später noch zurück.

Aus der Reihe "Was macht eigentlich..."

Ayaan Hirsi Ali - Zwischenspiel, 3. Akt und Epilog

So, jetzt habe ich endlich mal zeitgerecht den dritten Teil von Huibs Artikel fertigübersetzt, gerade zeitgerecht, dass alle drei Teile im 3. Blogkarneval deutschsprachiger Muslime erscheint.Betreut wird er dieses Jahr von Too much cookies.
Deswegen hier auch noch mal die Links zu Teil 1, dem Teil 2, der verbrannten Erde in den Niederlanden,, hier einige niederländische Stimmen. Im Watchblog haben wir uns ihrem Neocon-Umfeld am American Enterprise Institute gewidmet.
Da es mittlerweile Kritik gegeben hat und die Vermutung, wir zögen gegen die Person Hirsi Ali zu Felde, noch mal eine Klarstellung: die Person als Person ist herzlich egal, es geht um den Prototyp der "islamkritischen Schleierliteratin", hier in Deutschland im gleichen Umfeld durch Kelek, Ates, Cileli etc repräsentiert. Da ich jetzt diese Themen im "Watchblog" weiter bearbeite, kann ich versprechen, daß von mir oder von Anderen sicherlich darüber noch mehr erscheinen wird, zumal es hier nicht unerhebliche Schnittmengen zu den immer unappetitlicher werdenden Neocons gibt[..]
(Übersetzung meines Artikels, Teil 3 und Schluss):

Doppelbild: Rechts Ajaan in somalischen Outfit. Standort wahrscheinlich die niederländische Dünen in der nachbarschaft ihres damaligen Wohnsitzes im Haag (2005).

Ayaan, der internationale Aussenbordmotor des somalischen Darod-Clans

Meines Wissens ist sie noch nie in der Türkei gewesen. Das einzige, was sie weiss, sind die Dogmen über den Islam, die man ihr in Nairobi und während ihres kurzen Verbleibs in Saudi-Arabien aufgedrängt hat. Ich komme mehr und mehr zu der Überzeugung, daß sie, als eine Art Außenbordmotor ihres somalischen Darod-Clans, Amerika und Europa mobilisieren möchte, um deren Ambitionen am Horn von Afrika zu unterstützen. Alle Mittel sind da für sie zulässig: Islamischer Fundamentalismus (Nairobi 1989 bis 1994), Sozialdemokratie (Niederlande 1994 bis 2002), Liberalismus (2002 bis 2006), und nun: militärischer "Regime-Change" (Washington, 2006->...).

Die Unterscheidung zwischen Rechtspflege/Staatsfunktionen in der Dawa
Zweitens und schlußendlich muß - so sagt sie - eine Unterscheidung gemacht werden zwischen der "Volksbewegung" von Muslimen, die durch ihre Art zu leben und die Armen zu unterstützen ein gutes Vorbild sind, andererseits:
Die dritte Säule ist die Kontrolle zweier Arten von Organen in einer Demokratie, jene der Information (Bildung und Medien) und solche der Sicherheit und Ordnung (Polizei, Justiz und Geheimdienste). In anderen Worten: die Islamisten kontrollieren die Informationen, die du kriegst, und haben die Macht, dich zum Schweigen zu bringen.
Sie negiert vollkommen, daß es in der langen Geschichte des Islam darüber viele Diskussion gab, und dass sich im Lauf des 19. Jahrhunderts die Auffassung durchsetzte, der Staat solle sich ausschließlich mit den ersteren Aufgaben beschäftigen, nämlich Bildung und Medien, aber auch, wie sie vergisst zu vermelden, mit Staatsrecht und Gesetz.
In den meisten Ländern, wie Libanon, Ägypten und Algerien geschieht das in einer Symbiose zwischen Staatsbürgerkunde, Staats- und säkularen Medien. Genau, wie zum Beispiel in den Niederlanden mit ihren konfessionellen Schulen, Zeitungen und Medienorganisationen.

Was ist der Unterschied zwischen Religionsunterricht und "faith-based charities"?
Mit Ausnahme von Saudi-Arabien, einer Theokratie, hält sich der sunnitische islam von Staatsämtern fern. Somit handeln die Muslime hier als gehorsame Staatsbürger nach dem Pauluswort: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.
Sogar die "Islamischen Gerichte" in Mogadischu sahen sich lediglich als diejenigen, die zeitgebunden ein Vakuum füllten, das durch die weltliche Macht verursacht worden war und mit der Rückkehr dieser Macht verschwinden würde.
Und bei den Shi'iten sind es ausschließlich diejenigen, die Khomeini folgen, die dafür gesorgt haben, daß im Iran Polizei, Justiz und Geheimdienste unter die strikte Aufsicht der Mullahs gestellt wurden.
So untersagt die Irakische Shi'a, unter der Leitung von Ayatollah al-Sistani, der sich bereits 1979 in dieser Frage von Khomeini abgesetzt hat, ihren Würdenträgern das Bekleiden von politischen und Richterämtern.

Selbst SCIRI (Shi'iten) im Irak verlassen die "Rechtspflege"
Ein wirklicher Islam-Fachmann, Professor Juan Cole aus Michigan, schreibt dazu in seinem blog Informed Comment:

Der hohe Rat der islamischen Revolution hielt seine jährliche Zusammenkunft ab und Maryam Karouni von Reuters schreibt:

This change has ideological consequences. Allegiance to Khamenei implies acceptance of the Khomeinist doctrine of Vilayat-i Faqih or the Guardianship of the Jurisprudent. It holds that political power should be held by a top theocrat. SCIRI's links to Khamenei also implied that the Jurisprudent's authority is transnational, reaching from Iran to Shiites in other countries, such as Iraq. But most Iraqi Shiites reject the Guardianship of the Jurisprudent, and even those who accept some version of it for the most part reject the idea that Khamenei has authority outside Iran.
Sistani rejects the Guardianship of the Jurisprudent in politics and government, but accepts it with regard to what he calls "the structure of society." That is why he intervened on matters such as whether Iraq would have one person, one vote elections, who would write its constitution, and whether the constitution would uphold Islamic law. But unlike Khamenei, Sistani has not the slightest interest in holding an official government position, much less ultimately being in charge of trash collection.

Die "Herrschaft des Rechtsgelehrten" (vilayat e-Faqih) wird somit selbst von eine so stark durch den Iran inspirierten (und finanzierten) Gruppierung wie SCIRI (dominierende Partei innerhalb der dominierenden shi'itisch-irakischen Mehrheitskoalition) zurückgewiesen.
Anti-Islamische Fundamentalisten wie Hirsi Ali können somit sicher sein, daß die Volkspartei von Erbakan in einer Türkei, in der von einer solchen Herrschaft noch niemals die Rede gewesen ist, ihre Finger von der Unabhängigkeit der Justiz lassen werden.

Hirsi Ali als freiwilliger "Nützlicher Idiot"
Hirsi Ali weiß nicht nur nichts oder wenig über die Türkei, sondern scheint - gelinde gesagt - auch nicht auf der Höhe liberal-islamischen Denkens über diese Themen zu sein.
Daß ihr in der "Welt" ein Forum geboten wird und auch sonst ihre Hetzartikel mit höchstens mild-kritischen Kommentaren überall übernommen werden, sagt viel aus über das heutige Klima in Europa und den USA. Jeder hat seine eigenen opportunistischen Überlegungen, um, aus sicherer Entfernung und unter meist verschiedenen Vermummungen bei der xenophoben Hetze mitzumachen.

Populistische und Opportunistische Machenschaften, die sich der Xenophobie bedienen
Zum Beispiel Sarkozy(*). Champion im Kampf gegen eine EU-Mitgliedschaft der Türkei. Motiv: "Die Türkei liegt in Asien." Aber ich will Gift drauf nehmen, daß, sobald sich die Maghreb-Staaten (**) [sich der europäischen Union zuwenden würden], solche Rechnungen plötzlich nicht mehr aufgehen. Übrigens: liegt Zypern eigentlich in Europa oder nur der griechische Teil davon? Und wie ist es mit Guadeloupe, den Kanarischen Inseln, Französisch Guayana?
oder zum Beispiel die Vereinigten Staaten. Der Islam-Hintergrund der Türkei war innerhalb des transatlantischen Bündnisses noch nie ein Problem. Jedenfalls so lange nicht, bis die Türkei 2003 den US-Bodentruppen den Durchmarsch in den Irak verweigerte. Nun wird [von bestimmten Kreisen in den USA, ich würde fast sagen:] "Dawa"-mässig nach einem miltärischen "Regime-Change" gestrebt, der am besten durch die EU gedeckt wird. Insofern ist Hirsi Ali mit dem Pentagon und dem State Department völlig einig.
Das Bush-Regime, das aus der Sozialarbeit der "Islamischen Gerichte" ein Hauptproblem macht, verweigert der Türkei das Recht, einen gläubigen Präsidenten demokratisch zu wählen.

Nein, Hirsi Ali ist keine Jeanne d'Arc, höchstens eine Mata Hari, doch viel wetterwendischer und schl[au]er.

(*)Vor der Wahl. Ob er das jetzt, als gewählter französischer Präsident noch durchzieht, bleibt abzuwarten.BB
(**)die als erweiterter französischer Wirtschaftsraum betrachtet werden können.BB

18 Mai, 2007

Ajaan Hirsi Ali plädiert für einen Präventivputsch in der Türkei (2)

Hier folgt das 2e und letzte Teil der Übersetzung der BigBerta meines Artikels zu Hirsi Alis Kommentar in der "Welt" (9.5.07) über das ihretwegen notwendige Eingreifen des türkischen Militärs im Lande. Nochmals viel Dank, BB! Es war nicht immer unschwierig um mit meinen Referenzen zu niederländischen Diskussionen auszukommen :-).

Hier noch mal der Direktklick zu Huibs Artikel (in 'In Europa zu Hause'). und hier der Direktklick zur "Welt".

Sind die Türkischen "Säkularen" denn überhaupt "liberal"?

Etwas anderes lässt sie in ihrem Bericht ebenfalls aus: die nicht-liberalen Säkularisten. Eine liberale türkische Partei ist mir nicht bekannt (sie meint doch nicht etwa verschiedene konservative und nationalistische???), wohl aber eine große sozialdemokratische.
Sehen wir uns nun die Demonstrationen gegen einen muslimischen Präsidenten in den großen türkischen Städten (Istanbul, Ankara, Izmir) genau an, so finden wir dort niemanden aber auch wirklich niemanden, der, wie Ali, einen Staatsstreich fordert. Man will lediglich - und das mit Recht - nicht zu "islamischen" Verhaltensweisen gezwungen werden.

Aber Hirsi Ali geht es nicht um die Menschen, jene Menschen, die sie auch in den Niederlanden schon so hochnäsig ignorierte. Sie erwartet alles Heil von den (unsichtbaren) Liberalen:
Im Nachhinein können die säkularen Liberalen die Schuld nur bei sich selbst suchen. Sie haben die Macht der Dawa unterschätzt, in der Wirtschaftspolitik versagt und die Manipulation von EU-Mitgliedern nicht als Taktik erkannt, die dazu diente, die Kontrolle über Armee und Verfassungsgericht zu erlangen.
Sofern ich Hirsi Ali richtig verstehe, gelten die Vorschriften derPropheten buchstabengenau für alle Gläubigen. Und im Falle des Islam sind sie einfach nur pervers. Atatürk ist für sie eine Art weltlicher Muhammad - pardon: Er gab ihnen das Militär als weltlichen Hüter (wie sie sagt), genauso "Hüter" wie die Iranischen Hüter der islamischen Republik. Warum folgen die Türken ihrer Armee nicht? Ayaan kapiert's nicht.

Demokratie ist nicht liberal, wenn es um den Islam geht
Liberale müssen flexibel sein:

Istanbul muss die Freiheit des Individuums schützen.(*1)
Ein wichtiges Merkmal des Liberalismus jedoch ist, aus Fehlern zu lernen. Dass die säkularen Liberalen in der Türkei geirrt haben, bedeutet nicht, dass sie nicht erneut versuchen könnten, Atatürks Erbe zu bewahren und der Türkei eine Zukunft auf der Basis westlicher Werte zu ermöglichen...Ebenso müssen sie die EU-Führer davon überzeugen, dass Armee und Verfassungsgericht in der Türkei nicht allein Land und Verfassung verteidigen, sondern auch dazu geschaffen wurden, die türkische Demokratie vor dem Islam zu schützen

Eine seltsame "liberale" Auffassung von dem, was ein Verfassungsgericht ist. Hat sie etwa als Modell hierfür im Kopf, wie Präsident Bush 2002 durch das höchste US-Gericht trotz eines zweifelhaften Wahlergebnisses zum Sieger ernannt wurde? Es steht zu befürchten.

Die politische Trias Legislative=Parlament, Exekutive=Regierung und Jurisdiktion=Gerichte, wie sie im 18. Jahrhundert konzipiert worden ist (*2), geht von einem fortwährenden Gleichgewicht und Dialog zwischen den dreien aus, wodurch mal sowohl die Demokratie verstärkt als auch einer Dominanz einer der drei Kräfte zuvor kommt. Da soll uns die Edmund-Burke-Stiftung(*3) doch mal erklären, wieso ein Verfassungsgericht die Streitkräfte einschalten darf um die beiden anderen Teile dieser Trias mundtot zu machen.

Ja, ist die EU denn an Ali's Interpretation von "liberal" gebunden?
Obendrein mag die Europäische Kommission zwar stark am Konzept der sozialen Marktwirtschaft hängen, aber warum sollten ihre Mitglieder denn plötzlich "Liberale" sein? Barroso, der Vorsitzende, ist Christdemokrat, der größte Verfechter eines laisser-faire ist der Brite - und der ist Labour-Mitglied. Der Kommissar für Justiz ist Italiener und konservativ-katholisch. Selbst Fukuyama, der 1991 im Licht des globalen Sieges der liberalen Demokratie"Das Ende der Geschichte" ankündigte, hat sich bereits von diesem sonnigen Standpunkt verabschiedet (2004 in einem Gastkommentar in der New York Times). Es scheint so, als glaubte alleine Hirsi Ali daran, mit einem Eifer, der eines Muslim-Fundamentalisten würdig ist.

Von der Türkei weiß Hirsi Ali wenig oder nichts
Schlußendlich noch zwei Dinge. Das erste ist: die Türkei. Hirsi Ali kennt die Türkei nicht. Weiß wenig oder nichts von ihrer Geschichte. Der Türkische Islam ist niemals der Islam der saudischen Wahhabiten gewesen. Christen und Juden haben im Osmanischen Reich jahrhundertelang Zuflucht gefunden. Beim Untergang des Sultanats, am Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, sind schlimme Dinge passiert. Dinge, mindestens ebenso schlimm wie die Ausrottung der Indianer durch die Yankees, das Aushungern Indiens durch die Engländer ebenso wie die sogenannten "Polizeiaktionen" der Niederländer in Indien oder der Völkermord an einer Million Algerier durch Frankreich in den Jahren 1952 bis 1962.
Das Land ist ein Teil des Europäischen Wirtschaftsraums. "Kleinasien" ist das "Asia" der klassischen Griechen, das einen Teil ihrer kulturellen, später hellenistischen, Sphäre ausmachte. Paulus bekehrte hier die ersten Heiden zu christen und wandte seine eigene Dawa an: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist," so sprach er über das Bezahlen von Steuern mit römischen Münzen und fuhr indessen erfolgreich mit dem Evangelisieren fort.
Wer, so wie ich, in der Türkei umherreist, begegnet einem Volk oder Völkern, (denn dort gibt es auch Kurden, Armenier, Tschetschenen), die sich fühlen als ein Teil der "westlichen Welt", doch mit ihrem eigenen Charakter. Genausowenig wir Albaner, Kosovaren oder Bosnier lassen die wenigsten von ihnen sich durch Fanatismus oder Fundamentalismus verführen.
"Schnee" von Orhan Pamuk beschreibt einen Fall von religiösem Radikalismus in der Provinz (und warnt gleichzeitig davor).
Die Veranwortung für das Auftreten des Mörders des armenischen Nationalisten Dink liegt so wenig bei der türkischen Regierung, wie diejenige für Muhammad B. bei der niederländischen - oder diejenige für die vier Terroristen 2004 in London bei der britischen.
Fortsetzung folgt
________________________________________________________________________________________
(*1)Istanbul???? Offenbar hält unsere Vordenkerin Istanbul für die Hauptstadt der Türkei...Einfach nur stark!!! Die sich dahinter manifestierenden Geometrie- äh, Geographiekenntnisse hat Sahin "Ed" Karanlik im Kommentarbereich auf den Punkt gebracht:
Mir ist schon klar, dass Ankara die Hauptstadt der Türkei ist. Nur unsere Türkei-Expertin Hirsi Ali ist anderer Meinung. Sie faselt etwas von "Istanbul muss die Freiheit des Individuums schützen"
Der Rest des Artikels ist nur ein Zusammenwürfeln von Schlagzeilen, die sie aus Google-News gefischt hat.
Wundert mich, dass sie überhaupt Zeit hat, für die WELT Artikel zu verfassen. Sie müsste doch auf der Suche nach dem Weissen Haus in New York genug ausgelastet sein.

(*2) Im Zeitalter der Aufklärung und als Element derselben, sollte man eigentlich wissen, wenn man das Wort so penetrant vor sich herträgt...A.d.Ü
(*3)Konservativer niederländischer Thinktank, der sich u.a. den Kampf gegen "Denkverbote" in der Politik verschrieben hat. Ihm stehen u.a. Leon de Winter und Geert Wilders nahe.

17 Mai, 2007

Ayaan Hirsi Ali plädiert für einen Präventivputsch des türkischen Militärs


Wie würde es sein mit ..... Ajaan Hirsi Ali?

Sie war in den letzten Monaten ungewöhnlich still und das ließ diese Frage stets dringender werden. Seit dem 9. Mai wissen wir wieder Bescheid, was sie so treibt.

(Co-Bloggerin BigBerta aus Bayern übersetzte mein Artikel in "De Lage Landen" und in "In Europa Thuis". Hier folgt Teil 1. dieser Übersetzung. Mit Dank, BB!)

Das seriöse deutsche Blatt "Die Welt" publizierte in seiner Online-Ausgabe einen neuen, brisanten Artikel der gekäfigten Jungfrau mit dem Titel: Glaubenskrieg: wie Islamisten die Herzen der Türken erobern. Am 10. Mai erschien die niederländische Übersetzung im nrc-handelsblad, unter dem etwas zahmeren Titel: Leger behoedt Turkije voor islamisering - die Armee beschützt die Türkei vor der Islamisierung. Inhalt und Tendenz sind jedoch in beidern Versionen gleich:
Dawa
Islamexpertin Hirsi Ali erklärt mit kaum bezwungener Ungeduld (oder ist es Verachtung?), daß die durch die Regierung Erdogan, die seit 2004 im Amt ist, auf den Weg gebrachte
  • Modernisierung,
  • Demokratisierung,
  • Förderung der Rechtsstaatlichkeit
  • (einschließlich Kampf gegen Korruption)
  • und das Streben nach Erfüllung der Aufnahmebedingungen für die Europäische Union
nichts anderes ist als Dawa. Und das ist, so erklärt sie uns, schon wieder eine dieser perversen Mohammed-Methoden, die dessen Anhänger benutzen "müssen", um durch's Hintertürchen die Macht zu erobern.
So höret, Freunde, wie durchtrieben und kriminell die Islam-Anhänger zu Werke gehen:
(Anmerkung von Huib: Hirsi Ali nennt sie alle "Islamisten", denn, so erklärte sie im vergangenen Jahr in der christlich-fundamentalistischen "Trouw", selbst - oder gerade! - emanzipierte Muslime, stehen im kurzen Hemd da, sobald ihnen Söhne geboren werden und werden dann zu Fundamentalisten und somit zu Terroristen. Davor kann man nicht genug warnen...)
So erklärt Hirsi Ali in der "Welt" mal eben was Dawa ist:
(Die Islam-Partei folgt der) Dawa, eine Taktik, die von Mohammed, dem Stifter der islamischen Religion, inspiriert ist. Dawa bedeutet schlicht, den Islam voller Überzeugung als Lebensform zu predigen, die Regierungsform inbegriffen. Alle Bekehrten sind verpflichtet, hinaus in die Welt zu gehen und anderen zu predigen. So entsteht eine Volksbewegung, die die Herzen und Köpfe der Wählerschaft gewinnt.
und weiter:
Die zweite Säule ist die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation. Als die säkularen Parteien an der Macht waren, lag die türkische Wirtschaft unbestreitbar in Trümmern. Seit Erdogan im Amt ist, sind Wirtschaftswachstum und Investitionsraten hoch, die Inflation ist niedrig,

Gott, wie schrecklich!
Jeder, der zum Islam bekehrt ist, strebt danach, durch seine Lebensweise ein gutes Vorbild zu sein. Wir können uns nur schwerlich etwas vorstellen, das undemokratischer und perverser ist!

Hetze
Wie gut, daß Hirsi Ali bei all der Anti-Terror-Arbeit im Neocon-American Enterprise-Institute in Washington noch die Zeit findet, diese terroristische Taktik der Zusammenarbeit des "guten Vorbild Gebens", des "zu seinen Überzeugungen stehen" und der ""Förderung des wirtschaftlichen Fortschritts" zu enthüllen!
Daß wir es mit richtigen Islamisten zu tun haben, sieht man schon daran, daß sie niemandem mit Gewalt Islam und Kopftuch aufzwingen, weiter aus der Tatsache, daß eine echte wirtschaftliche Entwicklung stattfindet und Mafia und Korrution zurückgehen.
Mehr Pressefreiheit, Toleranz gegenüber den Sprachen der Minderheiten, das Kassieren der ultra-nationalistischen Anklage gegen den Schriftsteller Orhan Pamuk - all dies sind Perversionen, die die "säkulare" Mutterlandspartei des türkischen Generalstabs nach dem Putsch in den 80ern niemals toleriert hätte. - Ein Beweis mehr!
Zweifeln könnten wir, wäre die Mafia schlimmer geworden, das Geld in den Moscheen versickert und die Wirtschaft den Bach runter gegangen. Das wäre von den Muslimen wohl halb so schlimm gewesen. Obwohl man natürlich nie hätte sagen können, ob sich nicht auch solche später als wahre Islamisten herausgestellt hätten.
Da kannst Du doch lieber auf der sicheren Seite bleiben und präventiv auftreten.

"Liberale" Motive für einen Militärputsch
Dafür hat Ayaan Hirsi Ali ein Rezept, das sie gerne mit den "Liberalen" und "Säkularen" in der Türkei teilt, denn die haben die Dawa von Erdogan "unterschätzt". Zugegeben, das Rezept ist eine Roßkur: ein Putsch der Armee, die immerhin durch den Staatsgründer Atatürk als Hüter des "säkularen Charakters der türkischen Republik" eingesetzt wurde.
Dummerweise kriegen die Ali'schen Liberalen (wer in der Türkei ist das denn überhaupt?) es nicht hin, die "Köpfe und Herzen der Wähler" zu erreichen, vermutlich, weil sie es so eilig hatten, ihre zwielichtigen Banktransaktionen durchzuziehen,was unter der vorherigen, "säkularen" und korrupten Regierung möglich war. Da geht auch Hirsi Ali nicht davon aus, daß diese finstere Gruppe eine Mehrheit der 70% Unterstützer einer Präsidentschaft von ihrem Irrtum überzeugt. Darum soll die Armee ruhig eingreifen. sonst wird am Ende noch ein Präsident rechtmässig, nach allgemeinem Wahlrecht gewählt, wie zum Beispiel in den Muslim-Staaten USA, Frankreich und Chile.
Dreimal putschte seit 1949 die Armee, jdeesmal wurden alle Politiker gefangengesetzt und einige gehängt. Die Angehörigen linker Oppositionsbewegungen, auch gemäßigter, werden massenhaft in Gefängnissen und Konzentrationslagern festgesetzt und gefoltert, ihre Familien terrorisiert. Die meisten von ihnen waren so "säkular", wie nur irgendwas, doch leider auf andere Weise, als es den türkischen Generälen genehm war.

"Schade, aber was will man machen..."(van Kooten und De Bie, niederländische Satiriker),"Man kann kein Omelette backen, ohne Eier zu zerschlagen"(Stalin),"Vivere Pericolosamente"=gefährlich Leben (Mussolini), dessen Strafrecht von Atatürk in Gänze übernommen wurde und das im Wesentlichen heute noch gültig ist.

Die naiven Führer Europas sind gewarnt.
Gute "Liberale", so Hirsi Ali, streben nach der Armee als Staat im Staat:
Naive, aber wohlmeinende europäische Führer sind von Anfang an dahingehend manipuliert worden, dass sie eine zivile Kontrolle über die türkische Armee gefordert haben wie es sie auch in allen anderen Mitgliedstaaten gibt.
Ach, Ihr Dummerchen! Warum hört Ihr nicht auf Ayaan? Es gibt einfach keine bessere Garantie für eine Demokratie als eigenmächtige Streitkräfte. Die eigenen, oder, wenn nötig, ausländische.

Ihr Modell: Mogadischu
Zum Beispiel, was die äthiopische Armee betrifft, die mir US-Luftunterstützung die somalische Hauptstadt Mogadischu terrorisiert, nachdem sie die durch den Volkswillen an die Macht gekommenen Islamischen Gerichte verjagt hat. Die traditionellen Stammesführer-Warlords, unter Führung von Yussuf, dem Chefs des Darod Stammes, dem Hirsi Ali angehört, und Ministerpräsident der jahrelang machtlosen Somalischen Marionettenregierung, , sind wieder auf alte Art und Weise zugange: Krieg gegen die einfachen Menschen und Krieg gegeneinander. Die wichtigste Startbahn des Flughafens ist unter drei Kriegsherrn aufgeteilt, die sich, wenn sie zwischen dem Bombardieren von Krankenhäusern und Wohngebieten die Zeit dazu finden, gegenseitig mit Artillerieunterstützung die Landerechte streitig machen.

Hirsi Ali unterstützt dieses Stück US-Politik aus ihrer "Antiterrorismus"-Funktion im American Enterprise Institut. Selbst diese Heuchler fanden es doch zu irre, Frau Ali als Islam-Expertin anzuerkennen. In ihrer Funktion beim AEI soll sie sich nicht über Religion auslassen, sondern nur Älteres veröffentlichen: "Mit wissenschaftlichem Unterbau" (Interview in der 'Volkskrant' 2006). Darum ist auch ihr schon ewig angekündigtes Buch über den Propheten Muhammad noch nicht erschienen.

Die amerikanischen Neocons haben nämlich ihre eigene Dawa, das Bündnis mit den christlichen Fundamentalisten. Ganz toll liberal. Im neokonservativen Parteiblatt, "The Weekly Standard", ist noch kein einziger Artikel von Hirsi Ali oder über sie erschienen. So hat auch die Prawda gearbeitet. Mitläufer sind "nützliche Idioten", aber man muß sie auf Abstand halten.

Die neokonservative US-Politik in Somalia (dort gibt es kein Öl, also überlässt man die Intervention einer "Coalition of The Willing" ) steht Modell für Ayaan Hirsi Ali (Magan)s Rezept für die Türkei. Schließlich handelt es sich auch dort um ein Land im Griff des Islam. Es wäre sicherlich interessant, mal zu hören, was sie über Albanien und den Kosovo zu sagen hat: äusserst gefährliche Muslime dort: rauchen, trinken und wollen in die EU.

[Teil 2. folgt!]

BigBerta schrieb auch noch eine kurze Einleitung, die wie hier übernehmen:
Bevor wir mit dem Verlauf der Ali'schen Karriere weiter fortfahren, soll hier eines ihrer neuesten Themenfelder vorgestellt werden: die Türkei. Aber davor muß noch die Frage beantwortet werden, warum wir uns denn soviel Mühe mit ihr geben:
Nun, sie ist ein besonders übler Prototyp der "islamischen Frauenrechtlerin", der die Rechte der muslimischen Frauen ziemlich egal sind, wenn es um die eigene Profilierung und Karriere geht. In den Niederlanden hat sie verbrannte Erde hinterlassen und nicht nur bei Muslimen ausgespielt und die einst angeblich so wichtigen Themen sind jetzt uninteressant für sie. Wer diesen "Typ" kennt, kann ihre Klone einschätzen.Wer Hirsi Ali kennt, kennt auch Necla Kelek, Seyran Ates und wie sie sonst alle noch heissen mögen.
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