Seit Februar 2009: Huibs 4 Euroblogs zusammen in:

AT HOME IN EUROPE (at EURACTIV)
In Europa Zu Hause [DE] (Du bist hier!) - L'Europe Chez Soi [FR] - At Home in Europe [EN] - In Europa Thuis [NL]
Posts mit dem Label Pakistan werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Pakistan werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

15 September, 2007

Deutschland unter Druck um bei Iran-Angriff und Afghanistan-Antiterror mitzumachen

Aus "huibslog Journal", 14.9.07:

Deutschland wird im Moment vom Sarkozy-Frankreich und seinem ex-sozialdemokratischen Aussenminister Kouchner, angestachelt, um sein Vorsicht jegen dem Iran und der Afghanistan-Einsatz fallenzulassen. Es ist noch nicht so weit, aber die zurückhaltende Politik Deutschlands, ist schwer gefährdet. Le Monde von heute warnt [FR] gegen neuen Irak-artigen Abenteuern:

Nicolas Sarkozy durcit la politique française envers l'Iran. Le chef de l'Etat s'efforce de convaincre les pays européens, Allemagne en tête, d'adopter des sanctions accrues contre Téhéran, hors du cadre du Conseil de sécurité de l'ONU, qui a adopté deux volets de sanctions en décembre 2006 et mars 2007. Déjà, le 27 août, dans son premier discours de politique étrangère, il avait donné l'impression que Paris remplaçait le dialogue par la menace, en indiquant que si les Iraniens ne suspendaient pas, comme le réclame la communauté internationale, leurs activités d'enrichissement d'uranium, il ne resterait qu'"une alternative catastrophique : la bombe iranienne ou le bombardement de l'Iran".

Frankreich braucht Dauerverbündete Deutschland für eine derartigen Wendung in der EU-Politik. Jüngstens hat Sarkozy Angela Merkel dazu aufgerufen während einer heissen Debatte im deutsch-französichem Gipfeltreffen. Auch die zurückhaltende Politik Deutschlands in Afghanistan steht seit langem unter Drück der Amerikaner und jetzt auch der Briten und der Franzosen.

Jeder weiss aber, dass, ohen einem Krieg gegen das millionenstarke Iran, dessen Aufbau eines Nuklearpotentials unvermeidlich ist. Solang Israel und Pakistan (und, virtuellermassen: die Türkei) in der Region über Nuklearwaffen verfügen können, wird Iran (und nicht nur Iran) auch das Besitz von einer nationalen nukleären garantie nachstreben.

Der vorige Präsident Frankreichs, Chirac, hat, vorsätzlich oder nicht, in einem undiplomatischem Augenblick in Februar, die nackte Wahrheit ausgesagt: Ein nukleäres Gleichgewicht zwischen den grösseren Machten im nahen Osten würde vielleicht besser für frieden und Sicherheit sein, als der gegenwärtige Zustand. Einer Nuklearmacht kann sich ja keine Abenteuer mehr erlauben: Atomäre Gegenschlag ist garantiert. Ein Gefühl bedeutend grösserer Sicherheit gegen äusseren Angriffen wird besanftigend auswirken auf internationalen Ambitionen und die Aufmerksamkeit auf inneren Entwicklungen richten. (Mein Bericht darüber [FR]: La bombe iranienne: Et si M. Chirac avait raison? in L'Europe Chez Soi).

Sarkozy und Kouchner wissen das zweifellos auch. Es handelt sich, m.E., nur um eine (sei es gefährliche) taktische Manoeuvre um die Amerikaner von weiteren Benachteiligung der EU mittels Firmenboikotts abzuhalten.

24 April, 2007

Guantanamo-Opfer: Murat Kurnaz aus Bremen

BigBerta schreibt heute ein persönliches und rührendes Zeugniss über die fast fünf Jahren die der bremer Türke Kurnaz verbrachte in Kandahar und in Guantanamo. Er war für ein Kopfgeld von 3000 $ von der pakistanischen Polizei an den Amerikanern 'verkauft' worden, als er Dezember 2001 von einer Pilgerreise nach pakistan nach Hause zurückkehren wollte.
Hier sind die wichtigste Teile:

Murat Kurnaz - Fünf Jahre meines Lebens

Auf das Bild klicken
Kurnaz1

Ein zutiefst menschliches Buch
Alle möglichen Bauchredner haben sich immer wieder zum Fall Kurnaz geäussert, und ich habe die ganze Zeit vorgeschlagen, man möge ihn doch selber zu Wort kommen lassen. Das geschah zunächst bei Beckmann. (YouTube, HR) Mittlerweile hat es einen Bundestagsausschuss gegeben, und auch, wenn man sich nicht auf einen Schuldigen einigen konnte, so scheint es doch jetzt sicher zu sein, dass Kurnaz ohne jedes Recht fünf Jahre seines Lebens gestohlen wurden.

Der Ghostwriter, Helmut Kuhn, hat hervorragende Arbeit geleistet, denn, wer Kurnaz seinerzeit bei Beckmann hat reden hören, hört seine Stimme auch aus dem Geschriebenen: einfach, ruhig, ohne anzuklagen. Ich gebe zu, zunächst hatte ich auch gefragt, was Kurnaz dazu bewogen haben möge, in Pakistan den Koran zu studieren, ob es denn in der Türkei keine Koranschulen gäbe - nun, hier erklärt er es selbst und für mich wird es stimmig:
1293392292053406507S425x425Q85
Er hatte sich zunächst bemüht, an das Mansura Islmic Center in Lahore zu kommen, eine Einrichtung die von Syed Abul A’ala Maudoodi gegründet worden war. Hier ist die Darstellung auf der website,
Zunächst hatte Kurnaz eine Entwicklung ohne Perspektiven durchlaufen, die - wie bei Freunden auch - in Marginalisierung und Kriminalisierung hätte enden können. Dann fing er an, sich zu fragen, wie er dieser Entwicklung entgehen könne. In Bremen war die Tablighi Jamaat aktiv, die hier in Europa kontrovers diskutiert wird, jedoch z.B. von amnesty international und dem prominenten französischen Orientalisten Olivier Roy ein gutes Zeugnis ausgestellt wird. In Paris, z.B. hat sie den dortigen Behörden geholfen, die Jugendkrawalle im vergangenen Jahr zu de-eskalieren.
Kurnaz hatte mittlerweile ein Mädchen geheiratet, das einen Ruf als fromme Muslima hatte und wollte, bis seine Frau in Deutschland eintraf, seine von ihm jetzt starke empfundenen Defizite in islamischem Wissen und islamischer Praxis schließen. Er beschreibt das erste Zusammentreffen:
[..]
Nun, die Richtung von Maududi ist nicht die meine, und man kann natürlich anführen, daß die Stadtverwaltung von Paris sich geirrt hat, als sie die Tablighis um Hilfe bat - aber falls sich die Stadtverwaltung von Paris schon irrt: wie soll sich da ein Murat Kurnaz nicht irren?

Kurnaz zieht mit Freunden von Moschee zu Moschee - kauft Geschenke für die Familie zu Hause ein, will am letzten Gültigkeitstag seines Rückflugtickets nach Hause fliegen und wird aus dem Bus heraus verhaftet.

Ich bin verkauft worden. Für ein Kopfgeld von 3.000 Dollar. Das haben sie mir in einem der endlosen Verhöre selbst bestätigt.

Er kommt in eine Hölle, die Dante's Inferno nahekommt, denn, wer in Guantanamo ist, kann ersteinmal auch alle Hoffnungen fahren lassen. Wer das Buch liest, erfährt von willkürlichen Amputationen, 96-jährigen, blinden Gefangenen, Immediate-Response-Teams, die auch schon mal Gefangene töten, sowie einem System, das auf Willkür basiert - und der unendlichen Angst der Bewacher. Doch eines ist das Buch nicht: eine Anklage. Das macht es so lesenswert.

25 Februar, 2007

Nach Israel, India, Pakistan und Nordkorea, ist die Proliferation kaum mehr aufzuhalten

Der Iran ist eingeklemmt zwischen den Nuklearmächten Russland, Türkei (durch NATO-Garantien), Israel, Saudi-Arabien (das wahrscheinlich Miteigentümerin der pakistanischen Bombe ist) und Pakistan. Und dann gibt es auch noch die amerikanische Flotte im Golf, die nuklear bewaffnet ist.

Wie der französische Präsident Chirac vor einigen Wochen sagte, eine kleine Anzahl iranische Bomben würde paradoxalerweise, nicht das Kriegsgefahr erweitern, sondern ein neues Gleichgewicht herstellen und die Gefahr eines konflikts zurückdringen! Am nächsten Tage hatte der alte pariser Fuchs 'amende honorable' gemacht: So hatte er es nicht gemeint. Aber, wie der vortreffliche Blog "A Fistful of Euros" kommentierte: Er hatte anfangs völlig recht gehabt, und aus seiner Erfahrung als kleine Nuklearmacht gesprochen.
(Mein Kommentar darauf in At Home in Europe: "Week 5: Chirac on Iran, usw.")

Man könnte den Amerikanern folgenden Ratschlag geben:
Jetzt, wo Ihr endlich versteht, dass die nordkoreanische Bombe Euch mehr von Nützen ist als sie eine Gefahr darstellt, weil sie hilft, die chinesische Ambitionen in den Schränken zu hälten, könnt Ihr auch aus dem chiraquischen Lapsus lernen, dass eine atomäres Iran eigentlich günstiger ist als ein nicht-atomäres: Es könnte sich nicht mehr leisten, Israel direkt anzugreifen, denn es müsste einen atomären Gegenschlag entgegennehmen. Die russiche Ambitionen im Kaukas und in Zentralasien werden früstriert. Pakistan wird weniger Machtspolitik betreiben können in Afghanistan mittels seiner heimlichen Unterstützung, bzw Tolerierung, der Talibanartigen Gruppen.

Das einzige Opfer einer Tolerierung eines nuklearen Irans, würde ... der IRAK sein. Dieses Land, vor 20 Jahren noch virtueller Sieger im Iran-Irak Kriege, würde gegenüber seinem persischen Erbfeinde sehr geschwächt sein.

Der einzige Ausweg daraus, würde der Aufbau, mit amerikanischen Hilfe, eines irakischen Nuklearmachts sein.

Bis soweit, lieber Leser, ein denkbares Höhepunkt der Ironie der Geschichte.

Related Posts with Thumbnails

Huib's Faves: